Ein 98er bei den 98ern

Mein Vater ist ein 98er. Und er war oft als „98er bei den 98ern“. Wie sehr dies in diesem Jahr noch einmal mehr auf ihn zutrifft, werde ich noch erläutern. Aber mal von Anfang an.

Am Anfang steht die Idee…

Leider bin ich nicht früher auf die Idee gekommen, aber wer weiß, wie das alles gelaufen wäre, wenn ich mich eben schon viel früher um etwas gekümmert hätte. Ältere Menschen planen nicht mehr längerfristig, und ich habe einfach nicht aufgepasst.

Letztes Wochenende aber fiel mir eine witzige Übereinstimmung auf: Mein Vater wird in diesem Jahr und sogar bald 98 Jahre alt. Und er ist schon, seit ich denken kann, ein Fan von SV Darmstadt 98, den „Lilien“ (angelehnt an das Stadtwappen von Darmstadt). Früher, als er noch gut zu Fuß war (und das war er doch sehr lange) ist er immer bei den Heimspielen gewesen. Der Mann der alten Schule hatte NATÜRLICH einen Stehplatz, und ich weiß, wo sein Lieblingsplatz war.

Die guten alten Zeiten!

Genau dort haben meine Mutter und ich ihn immer getroffen. Früher, als die Lilien noch zweite Liga gespielt haben. Ja, das spielen sie heute auch. Aber sie spielen dort wieder. Und jeder, der im Ansatz ein bisschen fußballinteressiert ist, weiß, dass sie es mit Glück (die Offenbacher Kickers durften nicht aufsteigen, weil die finanzielle Situation dies nicht zuließ) und Können (sie spielten in der Relegation gegen Bielefeld, verloren das Heimspiel und gewannen mit großer Überraschung das Rückspiel in Bielefeld) geschafft haben, wieder 2. Liga zu spielen. Und da spielen sie derzeit ganz weit oben mit.

Aber zurück zu früher, zu den früheren guten Zeiten. Es war üblich, dass in der zweiten Halbzeit dann die Kassenhäuschen geschlossen wurden und man ohne Eintritt ins Stadion kommen konnte – heute undenkbar! Meine Mutter und ich nutzten also genau diese Gelegenheit, eben während der zweiten Halbzeit ins Stadion zu gehen, um dort meinen Vater zu treffen, noch das Spiel gemeinsam zu Ende zu schauen und dann gemeinsam nach Hause zu gehen. Schon damals war mein Vater ein 98er bei den 98ern. Aber eben noch anders.

Irgendwann konnte er nicht mehr alleine ins Stadion gehen. Und er hat mich auch nie gefragt, ob ich ihn nicht mal begleiten könne, damit er seine Lilien noch einmal live sehen könne. Ich wiederum habe nicht darüber nachgedacht, dass ich ihm diese Gelegenheit mal geben könne. Warum auch immer: Es war, wie es war.

Und dann kam mir eben diese Idee am letzten Wochenende. Ein 98er bei den 98ern. Das wäre doch jetzt – mit 98 Jahren eine witzige Sache. Es sei erwähnt, dass hier rund um Darmstadt alle durchdrehen und regulär schon lange keine Karten mehr zu bekommen sind. Aber man kann ja mal fragen. Und so tat ich es. Ich schrieb eine Mail an die Geschäftstelle, ob sie denn mit dem Hintergrund, dass mein Vater 98 Jahre alt werden würde und das doch irgendwie besonders sei, einen 98er bei den 98ern zu haben, doch noch eine Karte für eines der nächsten Spiele verkaufen könnten…

Dabei dachte ich gar nicht so sehr an das Heimspiel, das direkt am 98. Geburtstag stattfinden würde. Aber… Kurz darauf erhielt ich einen Anruf vom Behindertenbeauftragten des Vereins: Aufgrund der geschilderten Situation würde man NATÜRLICH zusehen, dass mein Vater an seinem 98. Geburtstag auf der Tribüne das Spiel mitverfolgen könne. Zwei Begleitpersonen dürften auch mit.

WAS HABE ICH MICH DA GEFREUT!

Und weil das so war, musste das natürlich gleich in Twitter verkündet werden. Daraufhin meldete sich eine unserer lokalen Zeitungen, und einen Tag später wurde ein Artikel im Darmstädter Tagblatt online gestellt: Hier nachzulesen.

Ich habe diesen dann auch gleich in Facebook veröffentlicht. Was sein muss, muss sein.

Der Plan war, meinem Vater nur von einer Überraschung zu erzählen. Aber… Ich habe ihn dann doch vorbereitet, denn ältere Menschen lieben solche Überraschungen nicht wirklich. Mein Vater freute sich natürlich, und wichtig war ihm, dass wir schon den Anzug für den Tag der Tage herauslegen.

Ich habe dann noch einen Anruf vom Medienverantwortlichen des SV 98 erhalten. Er fragte, ob ich auch mit der zuständigen Redakteurin der Bild-Zeitung sprechen wolle. Sie sei die Haus- und Hof-Berichterstatterin und nicht so reißerisch wie man vermuten könnte unterwegs. Also willigte ich ein. Das Ergebnis findet Ihr HIER.

Und nun kommt er näher, dieser Tag der Tage. Ich bin sehr gespannt, was wir da erleben werden.

Ein 98er bei den 98ern. Ich werde berichten.

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