Die drei E, und was ein Porsche damit zu tun hat

Die drei E… Wie soll ich bitte nach so einem Tag nun einfach wieder in den Alltag zurück kehren? Ich bin voller Eindrücke, Erinnerungen an schöne Momente und Endorphine. Das sind also die drei E, die eine Kombination abgeben, die ihresgleichen sucht.

Keiner hatte so wirklich vorhergesagt, dass dieser Karfreitag so wunderschön werden würde. Nach dem Sturm Niklas kam das Aprilwetter und dieses war vom Allerfeinsten. Gestern noch wechselten sich Regen, Schnee, Sonne mit Wind ab – im Minutentakt. Heute morgen dann… strahlender Sonnenschein, und der Himmel war so blau wie lange nicht mehr. Es war zunächst kühl, und ich wartete bis zum Mittag auf die etwas wärmeren Temperaturen.

Heute Nacht hatte es wohl noch einmal leicht gefroren. Das Gute an dieser Jahreszeit ist, dass die Sonne, sobald sie sichtbar ist, schnell ihre Wärme abgibt. So war ich dann zwar mit dicker Jacke unterwegs, aber es war wiederum möglich, draußen zu sitzen und dort einen Kaffee zu trinken.

Wenn ich in meinem Boxster sitze, fühle ich mich meist von Anfang an wie befreit. Ich bin es ja auch äußerlich, denn am liebsten fahre ich mit geöffnetem Verdeck. Dann weht mir nur leicht der Wind durch die Haare. Noch habe ich meinen Kopf geschützt, weil der Fahrtwind doch kalt sein kann. Ich liebe Frischluft. Insofern war die Entscheidung für ein Cabrio doch mehr als richtig.

Für die drei E brauchst Du die Natur und einen Porsche 

Kurz nachdem ich aus der Stadt war, konnte ich in der Natur wahrnehmen, dass das Einheitsbraun an vielen Stellen in sattes Grün gewechselt hat. Die ersten hügeligen Landschaften des vorderen Odenwalds haben mich schon immer eingenommen. Es ist nicht zu viel Anstieg auf die Anhöhen, aber es reicht aus, um einigen Straßen die Möglichkeit zu geben, sich in die Höhe zu schlängeln, was für viele Motorradfahrer und Autofahrer wie mich verlockend scheint. Eine gute Voraussetzung für die drei E!

Ich bin heute ganz bewusst an einen Ort gefahren, der für mich eine Art Seelenort ist. Hast Du auch einen Seelenort? Ich versuche so oft wie möglich an einem Seelenort zu sein. Es gibt einige davon. Und immer, wenn ich an einem solchen bin, werde ich ruhig und spüre Kraft. 

Schon auf der Hinfahrt geriet ich zwangsläufig in eine Art Vorstufe zum Rausch. Ich bin gerne berauscht vom Anblick der Natur und der Farben. Ich fahre gerne in der Sonne. Diese beiden Gegebenheiten können ausreichen, um mich zu berauschen. Es ist, wie es ist. Und dieses Auto trägt nun einmal einen großen Teil dazu bei. Welch ein Fahrgefühl!

Beim ersten Stopp war ich allerbester Laune. Die Fahrt durch dieses schöne, fast einsame Tal ist einer der Höhepunkte für mich, wenn ich im Auto unterwegs bin. Ganz wichtig ist dann, dass ich genau in diesem Tal anhalte, um diese unglaubliche Stille zu genießen. Es ist für mich auch kein Widerspruch, das stark motorisierte Gefährt genau an diesen Ort der Ruhe zu bewegen. Denn ich fahre dort so sanft, wie es nur geht, um auch auf dem Fahrersitz schon die Stille wahrnehmen zu können. 

Ich fühle mich dann wie ein Adler, der sich ohne Kraftanstrengung vom Wind tragen lässt. Es ist in der Tat ein Gefühl, als würde ich gleiten und mich tragen lassen. Und genau so ging es weiter. Es war alles so einfach, so schön, so ruhig, so kraftvoll. Ich habe alles in mich aufgesogen, Platz gemacht für viel gute Energie, sie in mich hineingelassen. Und diesen Rausch noch verstärkt. 

Und so kamen sie dann zuhauf, die Endorphine. Sie sind in mir geblieben, und ich weiß gerade gar nicht, wo ich mit dieser Energie hin soll. Ich bin total aufgedreht und aufgekratzt – Du weißt ja: Ich trage die drei E in mir! 

Aber wer weiß, was mich heute noch erwartet? 

 

 

Mein Porsche und ich – Unterwegs im Odenwald

Wenn Du ohne großes Zutun neue Menschen kennenlernen möchtest, solltest Du ein Kind haben. Oder einen Hund. Oder einen Porsche.

Die Nennung der Begebenheiten oder Rahmenbedingungen erfolgte hier ohne Wertung. Ich habe ja weder ein Kind noch einen Hund. Aber ich weiß schon lange, dass diese beiden „Begleiter“ sehr wohl dazu taugen, sehr viele Kontakte knüpfen zu können. Mit dem Porsche ist mir das noch nicht so oft passiert. Und wenn, dann nur, wenn ich alleine unterwegs war. Das ist mir aber erst gestern aufgefallen.

Gestern war ich also mit meinem Boxster alleine auf der Strecke. Ich wollte eine mir bekannte Stätte im Odenwald aufsuchen. Es ist ein Platz, an dem man so wunderbar auf die Hügel des vorderen Odenwalds schauen kann. Ein Ort, an dem ich mich immer schon wohl gefühlt habe. Ein erhabener Platz. Passt!

Die Sonne zeigte sich nur verhalten, und der Hochnebel, der bei uns so typisch ist, hielt sich tapfer und ließ sich von der Sonne schwerlich vertreiben. Aber ich wollte mit meinem Gefährt an den besagten Ort. Weil es dort so schön ist. Und weil ich das Auto dort einmal fotografieren wollte. Mit den Hügeln und der noch nicht erwachten Natur.

Der Parkplatz, den ich ansteuerte, war – wie erwartet – menschenleer. Und auch die Gaststätte, die ich so gerne besuche, war geschlossen. In der wärmeren Saison ist diese Gaststätte im Odenwald eine beliebte Anlaufstelle für Ausflügler.

„Betriebsferien bis 19.3.“ stand auf einem Schild am Eingang zum Garten. Die Rollläden an den Fenstern des Hauses waren herunter gelassen. Nur das Damwild auf dem angrenzenden Gehege schaute mir zu. Mir war das recht, wähnte ich mich damit auch so schön alleine mit dem Vorhaben, ein paar nette Aufnahmen zu schießen. Aber es kam anders.

Da steht Frau also ein paar Meter vom Wagen entfernt und schaut, aus welcher Perspektive nicht nur der Wagen, sondern auch die Silhouette der Hügel im Odenwald (vorderer Teil), die sich zugegebenermaßen heute leider eher erahnen, als erkennen ließ, am besten auf einem Foto abgebildet werden könnten.

Ich hatte ganz bewusst mein Stativ nicht mitgenommen, bereute es aber in diesem Moment schon ein wenig. Denn mit dem, was vorhanden ist, kam ich nicht an dem Tag nicht gut aus.

Der Holzzaun, der den Garten der Gaststätte begrenzte, war nicht geeignet, die Kamera dort abzustellen. Ich lief also zum Wagen und überlegte, mit welcher Ersatzausrüstung für ein Stativ ich nun punkten können würde. In dem Moment zeigte sich der Besitzer. Er tat zunächst so, als würde er nur durch den Garten laufen, aber es war für mich deutlich zu spüren, dass er wissen wollte, was ich da an seinem Grundstück veranstaltete. Im Odenwald bleibt nichts unbemerkt!

Ich lächelte dem Mann zu und gab gleich preis, dass ich Fotos machen wollte. Er fragte nach, was genau ich ablichten wollte, und ich erklärte, dass ich mich mit dem Boxster vor der schönen Landschaft fotografieren wollte. Da bot er gleich an, ob er nicht die Fotos schießen sollte. Das Angebot nahm ich dankbar an.

Und während ich mich noch ein wenig vorbereitete (Frau will ja vor und mit dem Wagen gut aussehen), fuhr ein Auto die Straße entlang, und der Fahrer winkte mir fröhlich zu. Der Fahrer hielt dann auch an, fuhr ein Stück zurück und bog auf den Parkplatz ein, um gleich mit dem Besitzer ein Gespräch anzufangen, was aber wohl nur der Vorwand war. Denn kurz darauf sprach er nur noch mit mir.

Er legte los mit diesem für mich witzig klingenden Dialekt, den ich der Eifel zuordnete. Wie sich herausstellte, kam er gebürtig aus Trier. Er meinte gleich, dass ich für diese Fotos doch nicht stilgerecht gekleidet sei. Eigentlich eine Unverschämtheit, die ich ihm aber nicht übel nahm. Ich war gut gekleidet, aber eben nicht in Kleidchen und Co. Eher sportlich. Für stilsicher halte ich mich ja schon. Ich musste ihn also direkt darauf hinweisen, dass diese Äußerung von einem Mann kam, der drei Löcher auf der Vorderseite seines T-Shirts präsentierte. Und die besagten Löcher waren kein Einfall des Designers. Ich ließ deutlich erkennen, dass ich die Anmerkung insofern überhaupt nicht ernst nehmen konnte. Wir lachten.

Der Mann erzählte mir dann noch, dass er Schrotthändler sei, vor sieben Jahren im Odenwald gelandet wäre und nun Feierabend habe. Er sei Harley-Fahrer und hätte früher selbst einen Porsche 911 gefahren. Und wenn man mal von dem Porsche-Virus infiziert sei, könne man nie wieder was Anderes fahren. Der Virus halte lebenslang. Wem erzählte er das…

Das war aber nur der Einstieg. Ich wurde eine gute Viertelstunde bestens unterhalten, bekam die Familienfotos gezeigt und wurde auf einen Kaffee eingeladen, den ich dankend ablehnte. Ich wollte ja noch schreiben. Und nach Hause. Und überhaupt hatte ich nicht vor, einem wildfremden Mann in seine Wohnung zu begleiten.

Der Besitzer der Gaststätte hatte uns schon eine Weile uns selbst überlassen, war mir dann aber eine gute Unterstützung, mich aus der Unterhaltung wieder ausklinken zu können.

Und so startete ich den Motor und fuhr vom Parkplatz und fast in einen Traktor hinein, der just in diesem Moment mit Holzbänken und Tischen um die Ecke gebogen war. Die Frühlingsvorbereitungen zur Eröffnung der Terrasse schienen also in vollem Gang zu sein.

Auf dem Heimweg schmunzelte ich eine lange Zeit vor mich hin. Die Musik unterstrich meine Stimmung, und irgendwie war ich so richtig positiv aufgekratzt.

Was nehme ich mir von diesen Begegnungen im Odenwald mit?

Ich werde mich auf jeden Fall noch viel öfter alleine auf den Weg machen. Indes, alleine bleiben werde ich wohl nicht lange und nicht oft. Es gibt ja genug zu erzählen. Von fast jedem Menschen.

Das Leben ist schön und so facettenreich!

Und falls jemand diesen Ort auch einmal besuchen möchte, findet er ihn HIER