Bei den Lilien – ein besonderes Ereignis

Lilien. Für alle, die es nicht wissen sollten: Bei den Lilien handelt es sich um die Mannschaft des hiesigen Bundesliga-Vereins SV Darmstadt 98. Die Lilie ist im Stadtwappen von Darmstadt enthalten und somit auch Symbol des Sportvereins.

Ein Besuch bei den Lilien war ja schon lange mal wieder dran. Der letzte Besuch liegt ja schon fast ein Jahr zurück. Es ist aber gar nicht so einfach, an Karten zu kommen, wenn man nicht sowieso schon glücklicher Besitzer von Dauerkarten ist. Mein Vater wurde ja nun lebenslang zu den Heimspielen eingeladen. Aber… Da ich mit meinem Vater wohl erst wieder zu wärmeren Jahreszeiten mal vor Ort sein kann, fällt diese Möglichkeit erstmal aus. Und es bleiben nicht viele Alternativen, ein Spiel zu besuchen.

Aufgrund eines Tipps wurde ich Kundin von Lilienstrom. Mit dem Wechsel habe ich nicht nur ein aktuelles Trikot erhalten, sondern bekomme regelmäßig Einladungen, am Gewinnspiel für Karten für die Heimspiele der Lilien teilzunehmen, denen ich immer gefolgt bin. Was soll ich sagen? Vor kurzem erhielt ich die Nachricht, dass ich zwei Karten gewonnen hätte! Was habe ich mich gefreut!

Gestern war es dann soweit. Die Lilien spielten gegen Dortmund. Am Abend und das im März. Hauptaufgabe vor dem Spiel war es dann für mich, die passende, warme Kleidung herauszusuchen. Denn es sollte kalt werden. Die Regenvorhersage hat sich dann glücklicherweise nicht bewahrheitet. Aber auch so war es eine Herausforderung, sich angemessen zu kleiden.

Ich hatte noch einen Schal gekauft – Mütze und Trikot waren schon in meinem Besitz. Wie ich unter meiner Jacke gekleidet war, könnt Ihr im Beitragsbild erkennen. Der Rest war: Alles, was warm macht, wird auch angezogen. Ich hatte vom Körperumfang her sicher mal einige Zentimeter mehr zu bieten.

Dann ging es los. Der Einstieg war nicht gelungen. Ich sage mal so: Wenn man nicht auf die Anzeigetafel am Bus achtet, kann es sein, dass man zunächst im Nachbarort landet, von wo aus man nur noch mit dem Taxi wieder dorthin kommt, wo das Spiel stattfinden sollte. Wir waren glatt in den falschen Bus gestiegen und wunderten uns noch, warum eine junge Frau uns fragte, ob denn die Lilien gewonnen hätten. Klar dachte sie wohl, dass wir nach Hause fahren wollten – raus aus der Stadt. Tja… Wir haben es erst bemerkt, als es schon zu spät war. Damit wurde der Abend etwas teurer, aber die Laune hat das nicht getrübt.

Auf Umwegen zu den Lilien! Ich musste herzhaft lachen!

Das Taxi brachte uns dann wieder dorthin, wo wir hin wollten, und ein wenig später waren wir vorm Stadion. Meine Güte, wenn ich an die Zeiten denke, in denen gerade mal so um die 2000 Zuschauer ins Stadion liefen. Und das war für die damaligen Zeiten und die Spielklasse schon viel. Es war also etwas mehr los am gestrigen Abend. Dennoch kam man gut an die Getränkestände, die Würstchenbuden und die Toiletten ran. Das hat mir gefallen.

Panoramabild vom Spiel der Lilien gegen den BVB am 2.3.2016, Stadion des SV98 am Böllenfalltor
Panoramabild vom Spiel der Lilien gegen den BVB am 2.3.2016

Eine Paprikawurst ist übrigens für mich immer ein Muss im Stadion am Böllenfalltor (jetzt heißt es Merck-Stadion am Böllenfalltor, aber ich kann nicht wirklich aus meiner Haut). Sie hat auch lecker geschmeckt. Und statt eines kühlen Biers oder Äpplers gab es einen Glühwein. Nur einen, denn dann waren die Vorräte ausgetrunken. Aufwärmen in der zweiten Halbzeit war also nicht.

Leider waren gestern die Darmstädter Fans zum großen Teil erstarrt. Mag das an der Kälte oder dem Spielverlauf gelegen haben (der üblicherweise zu keinerlei Beeinträchtigung der Stimmung beiträgt); es war auf jeden Fall sehr ruhig bei den Blauen. Die Dortmunder Fans haben da doch mehr aufgelegt.

BVB-Fans in Aktion beim Spiel gegen den die Lilien (SV98), Böllenfalltor.
BVB-Fans beim Spiel gegen den die Lilien (SV98), Böllenfalltor.

Zu deren Rhythmen habe ich mich dann auch immer mal bewegt, denn es war wirklich sehr kalt. Ein eiskalter Wind blies und brachte uns an die Grenzen der Leidensfähigkeit. Ich überlege mir in diesen Momenten immer, wie es Menschen schon unter noch mieseren Bedingungen wohl ergangen ist – sei es im Krieg in Russland oder heutzutage als Obdachloser. Nicht auszudenken!

Die Lilien gaben ihr Bestes, aber das reicht nun einmal nicht für ein Spiel gegen die zweite Mannschaft der Liga, die sogar mit der Ersatz-Mannschaft die besseren Spieler auf dem Platz hat. Wir haben verloren.

Wie gesagt, der Stimmung tut dies nicht sonderlich Abbruch, aber schön wäre es natürlich gewesen, wenn wir einen Heimsieg hätten erleben dürfen.

Ich beobachte ja bei Live-Spielen auch gerne das Publikum. Dieses Mal gab es nicht viel zu erzählen; wir standen in einer wohl sehr ruhigen Kurve. Da wurde nicht viel gebrüllt oder gelästert. Die Menschen haben in Ruhe genossen oder gelitten. So genau weiß ich das auch nicht.

Fazit: Ein Umweg ist keine Katastrophe, sondern eine Möglichkeit, etwas zu erzählen zu haben. Mehr ist mehr gilt vor allem bei der Kleidung in der kalten Jahreszeit. Eine Niederlage ist der Ansporn, nach vorne zu blicken. Vorhersagen in Bezug auf Menschenmengen sind nicht zu treffen.

Freude – ganz spontan

Ich kann ja auch mal ganz schön spontan sein. Manchmal bin ich es nur für mich, manchmal mit jemandem. Heute war ich so beim Mittagessen-Zubereiten, als die Sonne sich zeigte. Dies alleine war schon Grund zur Freude.

Da musste ich aber so was von schnell das Haus verlassen! Die Sonnentage am Sonntag sind in den letzten Wochen sehr rar gewesen, und überhaupt hat uns hier die Sonne nicht verwöhnt. Stattdessen haben sich oft dicke und dunkelgraue Wolken gezeigt, die wiederum ihre Schwere mit sich genommen haben, um den nachfolgenden Wolken Platz zu machen.

Wenn die Sonne scheint, steigt meine Laune. Ich liebe das Licht. Es muss nicht mal sonderlich warm sein. Sonne genügt erst einmal. Im Winter liebe ich also die Tage, an denen der Himmel blau ist und die Sonne mich erfreut. Da wächst die Freude in mir.

Heute also habe ich mich mal ganz schnell fürs Rausgehen fertig gemacht. Das restliche Essen musste warten. Ich bin dann in meinen Roten gestiegen, weil auch der in der letzten Zeit viel zu kurz gekommen ist. Aber er ist nun einmal kein Winterauto.

Was ich seit kurzem weiß: Auch im Winter kann ich offen fahren: Die Sitzheizung läuft, und die Heizung im Fond wärmt die Beine. Vom Luftzug beim Fahren spüre ich nur am oberen Kopf etwas, und genau diese Stelle wird bei mir warm geschützt. Und der Rest ist Spaziergang. Da habe ich doch schon Ärgeres erlebt, wenn ich zu Fuß unterwegs war. Das geht also prima.

Ich fuhr dann an meinen Lieblingsort der letzten Tage. Es ist das Hofgut Oberfeld, und dort gibt es nicht nur einen Laden, sondern auch ein kleines Café. Wieder habe ich mir einen Kaffee geholt und mich raus gesetzt. Ich sitze dann glücklich im Freien und freue mich vor mich hin.

Freude ! Mich vor mich hin freuen mag ich am liebsten. Es muss gar nichts Großartiges passiert sein. Ich brauche auch keinen konkreten Anlass. Aber es gibt natürlich immer einen Grund. Dieses Mal waren es zwei Gründe: Die Sonne und das Gefühl von Freiheit.

Eine SMS ging ein. Ich neige nicht dazu, immer sofort zu schauen, wer mir was mitzuteilen hat. Aber dieses Mal habe ich es getan. Es sollte wohl zu sein. Denn eine gute Bekannte aus dem Lauftreff hatte sich gemeldet: „Bist Du zufällig am Oberfeld?“. Als hätte sie es geahnt! Sie war ganz in der Nähe und kam dann zu mir. Wir liefen dann mehr als eine Stunde gemeinsam am Waldrand, setzten uns kurz auf eine Bank, genossen die wärmenden Strahlen und redeten.

Was ich mir von diesem Tag mitnehme?

War das ein schöner Nachmittag? Ja, war es! Da hat dann alles gepasst: Ich war dort, wo ich gerne bin, und dann war ich dort auch noch in Begleitung. Das alles geschah wie zufällig, und doch glaube ich genau das nicht. 

Nichts ist ohne Grund, auch die Freude nicht!