Grau in grau

Grau. Und Grau. Und noch mehr Grau!

Für mich ist diese Farbe am Himmel eher ein Grauen. Seit Wochen – mit einigen Ausnahmen, aber leider sind es wenige – zeigt sich das Grau. Mal mehr, mal weniger dunkel. Von der Sonne sehen wir hier am Tag dann gar nichts. Es regnet nicht immer, aber die Atmosphäre wirkt schwer. So als ob die Wolken von oben von irgendjemandem herunter gedrückt werden.

Es ist nicht einfach, da keine miese Stimmung zu bekommen; das gebe ich zu. Ich wache auch viel lieber mit Sonne auf, weil sie mir gleich gute Laune macht. Gute Laune im Grau zu haben, ist um Längen anstrengender. Und da ist es wieder, dieses Anstrengende. Kann man sich anstrengen, gute Laune zu haben?

Nun, in dem Fall ist es ein positives Anstrengen. Es ist mehr ein Üben, sich nicht herunterziehen zu lassen. Wenn ich also an einem Tag in grau merke, dass ich am Morgen schon eher nicht ganz so gute Laune habe, was durchaus vorkommen kann, dann versuche ich gleichzeitig auch, den Widrigkeiten des Lebens die kalte Schulter zu zeigen.

Da könnte beispielsweise mein Milchschäumer streiken. Ja, das ist ärgerlich. Aber es gibt ja Alternativen. Ein kleiner Topf, Milch hinein, und dann kurz auf den Herd. Den Handschäumer angeworfen, und schon habe ich den feinsten Schaum in einer Temperatur, die ich mir ausgewählt habe.

Wenn ich mich an dem Tag irgendwie ein bisschen dusselig anstelle, mir dauernd etwas runterfällt oder ich stolpere oder mir wehtue, weil ich mit dem Fuß an der Tür hängen bleibe, könnte ich das doch zum Anlass nehmen, herzhaft darüber zu lachen statt mich zu ärgern. Wäre ja mal eine Sache. Auch wenn es weh getan hat.

Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich erst einmal noch ein bisschen mehr in die miese Stimmung kommen muss, um zu erkennen, dass ich da gar nicht weiter machen möchte. Dann halte ich mir das innere Stopp-Schild vor, sage auch laut „Stopp!“ zu mir und richte mich neu aus. Das funktioniert in den meisten Fällen.

Wenn es bei mir ganz schlimm ist, setze ich mich gerne in den Boxster und fahre eine Runde. Ich habe irgendwann festgestellt, dass ich beim Fahren mit dem Auto nicht mies gelaunt bleiben kann. Musik an, die Musik des Motors dazu, losgefahren – und schon geht es mir besser! Wenn ich dann noch das Dach öffnen und eine Runde offen fahren kann (auch mal dick eingemummelt mit Mütze) sammeln sich die Endorphine im Blut, und ich mag gar nicht mehr sehen, dass es grau ist. Ich möchte dann nur noch vor mich hinlächeln und mich gut fühlen.

Es ist also wichtig, dass Du Dir immer mal überlegst, was Dir so richtig gute Laune mache. Schreib Dir alles auf, oder merke es Dir für Zeiten, an denen es Dir innerlich nicht so gut geht.

An Tagen in Grau kann so eine Liste Gold wert sein.

Wenn es nun aber partout nicht klappen möchte mit dem Neuausrichten, dann ist das womöglich so ein Tag, an dem es so sein soll. Dann wäre es gut, nicht raus zu müssen. Die Freiheit habe ich ja meist. Ich muss mich nicht ins Auto setzen und im Büro meinen Kollegen begegnen. Ich bleibe einfach zu Hause, „genieße“ meine schlechte Stimmung ganz für mich und tue damit niemandem weh außer mir.

Was ich auch ganz sicher weiß: Der nächste Tag bringt neue Chancen und statt einem Grau draußen vielleicht sogar wieder die Sonne mit ihren hellen, warmen Strahlen.

Last Modified on 20. Februar 2016
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