Mein Porsche – oder das Aussetzen des Verstands

Es gibt so Tage, an denen es einfach rund läuft. Oder wenigstens in Teilen. Oder später. Oder erst mal und dann nicht mehr. Niemand denkt an das Aussetzen des Verstands.

An diesem Tag lief es erst ab dem Mittag rund. Ich durchbreche eine negative Serie ja sehr gerne. Manche Tage bieten einiges an Aufgaben, um das Durchbrechen zu üben. Manchmal gelingt es nicht auf Anhieb. Wichtig ist es, da dranzubleiben.

Ich fuhr also zum Porsche-Zentrum, um mich zu informieren und begegnete dem Verkaufsberater Herr W., den mir wahrscheinlich das Porsche-Universum geschickt hatte. Das war nun keine Absicht der Beteiligten, aber da ich nicht sonderlich an Zufälle glaube, war es wohl einfach die Bestätigung dessen, was ich tun wollte. Oder sollte. (Wer sich das alles ausgedacht hat, weiß ich bis heute nicht). Und nein, ich habe an der Stelle nicht schon meinen Kopf verloren, denn der Mann ist mir sympathisch und angenehm aber so gar nicht mein Typ.

Herr W. und ich sprachen eine lange Weile miteinander, und es sah so aus, als wäre das Ganze finanziell darstellbar. Außerdem hatte ich bei meinem Gegenüber ein gutes Gefühl (nicht ohne Grund – siehe vorherigen Absatz). Ich stehe absolut auf Vertrauen. Vertrauen steht bei mir an oberster Stelle. Wenn ich glaube, vertrauen zu können, ist so gut wie alles möglich. Und klar wollte mir der Mann etwas verkaufen. Das ist seine Aufgabe. Die macht er gut. Deswegen gibt es dennoch einen Unterschied zwischen Verkaufen und Verkaufen.

Ich hatte also einen positiven Eindruck. Vom Berater und der Beratung. Den Termin für die Probefahrt hatten wir bereits ausgemacht. Dann meinte Herr W. zu mir: „Kommen Sie doch mal mit…“ Dieser Satz sollte eine weitere Tür öffnen (und es handelte sich nicht nur um die Ausgangstür des Autohauses), und ja, dieser Mann wusste genau, was er tat. Weiß ich heute. Ich ahnte es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Aber spätestens mit dem Eintritt auf den Hof war mir klar, dass ich verloren war…

Da stand ER. Ein roter Boxster S. Er strahlte so einfach vor sich hin, als wäre es das Normalste, was so ein Wagen tun kann. Respekt, denn obwohl er im Schatten stand, war ich geblendet.

Und zeitgleich verloren. An dieser Stelle fand dann das Aussetzen des Verstands statt.

Bei Schuhen oder Taschen erleben viele Frauen ähnliches: Der Verstand ist total ausgeblendet. Da laufen alle Programme, die schon immer zu Urzeiten in anderen Zusammenhängen gelaufen sind und die die so genannte Zivilisation noch nicht zu überwinden geschafft hatte. Es gibt dann nur eines: Ich will das, was ich sehe, haben. Manche werden wissen, wovon ich hier schreibe.

Das Aussetzen des Verstands bedeutet bei mir:

Ich kann mich in diesen Momenten immerhin zunächst auf das Anfassen und Erleben beschränken.

Noch.

 

 

 

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