Mein Porsche und ich – Unterwegs im Odenwald

Wenn Du ohne großes Zutun neue Menschen kennenlernen möchtest, solltest Du ein Kind haben. Oder einen Hund. Oder einen Porsche.

Die Nennung der Begebenheiten oder Rahmenbedingungen erfolgte hier ohne Wertung. Ich habe ja weder ein Kind noch einen Hund. Aber ich weiß schon lange, dass diese beiden „Begleiter“ sehr wohl dazu taugen, sehr viele Kontakte knüpfen zu können. Mit dem Porsche ist mir das noch nicht so oft passiert. Und wenn, dann nur, wenn ich alleine unterwegs war. Das ist mir aber erst gestern aufgefallen.

Gestern war ich also mit meinem Boxster alleine auf der Strecke. Ich wollte eine mir bekannte Stätte im Odenwald aufsuchen. Es ist ein Platz, an dem man so wunderbar auf die Hügel des vorderen Odenwalds schauen kann. Ein Ort, an dem ich mich immer schon wohl gefühlt habe. Ein erhabener Platz. Passt!

Die Sonne zeigte sich nur verhalten, und der Hochnebel, der bei uns so typisch ist, hielt sich tapfer und ließ sich von der Sonne schwerlich vertreiben. Aber ich wollte mit meinem Gefährt an den besagten Ort. Weil es dort so schön ist. Und weil ich das Auto dort einmal fotografieren wollte. Mit den Hügeln und der noch nicht erwachten Natur.

Der Parkplatz, den ich ansteuerte, war – wie erwartet – menschenleer. Und auch die Gaststätte, die ich so gerne besuche, war geschlossen. In der wärmeren Saison ist diese Gaststätte im Odenwald eine beliebte Anlaufstelle für Ausflügler.

„Betriebsferien bis 19.3.“ stand auf einem Schild am Eingang zum Garten. Die Rollläden an den Fenstern des Hauses waren herunter gelassen. Nur das Damwild auf dem angrenzenden Gehege schaute mir zu. Mir war das recht, wähnte ich mich damit auch so schön alleine mit dem Vorhaben, ein paar nette Aufnahmen zu schießen. Aber es kam anders.

Da steht Frau also ein paar Meter vom Wagen entfernt und schaut, aus welcher Perspektive nicht nur der Wagen, sondern auch die Silhouette der Hügel im Odenwald (vorderer Teil), die sich zugegebenermaßen heute leider eher erahnen, als erkennen ließ, am besten auf einem Foto abgebildet werden könnten.

Ich hatte ganz bewusst mein Stativ nicht mitgenommen, bereute es aber in diesem Moment schon ein wenig. Denn mit dem, was vorhanden ist, kam ich nicht an dem Tag nicht gut aus.

Der Holzzaun, der den Garten der Gaststätte begrenzte, war nicht geeignet, die Kamera dort abzustellen. Ich lief also zum Wagen und überlegte, mit welcher Ersatzausrüstung für ein Stativ ich nun punkten können würde. In dem Moment zeigte sich der Besitzer. Er tat zunächst so, als würde er nur durch den Garten laufen, aber es war für mich deutlich zu spüren, dass er wissen wollte, was ich da an seinem Grundstück veranstaltete. Im Odenwald bleibt nichts unbemerkt!

Ich lächelte dem Mann zu und gab gleich preis, dass ich Fotos machen wollte. Er fragte nach, was genau ich ablichten wollte, und ich erklärte, dass ich mich mit dem Boxster vor der schönen Landschaft fotografieren wollte. Da bot er gleich an, ob er nicht die Fotos schießen sollte. Das Angebot nahm ich dankbar an.

Und während ich mich noch ein wenig vorbereitete (Frau will ja vor und mit dem Wagen gut aussehen), fuhr ein Auto die Straße entlang, und der Fahrer winkte mir fröhlich zu. Der Fahrer hielt dann auch an, fuhr ein Stück zurück und bog auf den Parkplatz ein, um gleich mit dem Besitzer ein Gespräch anzufangen, was aber wohl nur der Vorwand war. Denn kurz darauf sprach er nur noch mit mir.

Er legte los mit diesem für mich witzig klingenden Dialekt, den ich der Eifel zuordnete. Wie sich herausstellte, kam er gebürtig aus Trier. Er meinte gleich, dass ich für diese Fotos doch nicht stilgerecht gekleidet sei. Eigentlich eine Unverschämtheit, die ich ihm aber nicht übel nahm. Ich war gut gekleidet, aber eben nicht in Kleidchen und Co. Eher sportlich. Für stilsicher halte ich mich ja schon. Ich musste ihn also direkt darauf hinweisen, dass diese Äußerung von einem Mann kam, der drei Löcher auf der Vorderseite seines T-Shirts präsentierte. Und die besagten Löcher waren kein Einfall des Designers. Ich ließ deutlich erkennen, dass ich die Anmerkung insofern überhaupt nicht ernst nehmen konnte. Wir lachten.

Der Mann erzählte mir dann noch, dass er Schrotthändler sei, vor sieben Jahren im Odenwald gelandet wäre und nun Feierabend habe. Er sei Harley-Fahrer und hätte früher selbst einen Porsche 911 gefahren. Und wenn man mal von dem Porsche-Virus infiziert sei, könne man nie wieder was Anderes fahren. Der Virus halte lebenslang. Wem erzählte er das…

Das war aber nur der Einstieg. Ich wurde eine gute Viertelstunde bestens unterhalten, bekam die Familienfotos gezeigt und wurde auf einen Kaffee eingeladen, den ich dankend ablehnte. Ich wollte ja noch schreiben. Und nach Hause. Und überhaupt hatte ich nicht vor, einem wildfremden Mann in seine Wohnung zu begleiten.

Der Besitzer der Gaststätte hatte uns schon eine Weile uns selbst überlassen, war mir dann aber eine gute Unterstützung, mich aus der Unterhaltung wieder ausklinken zu können.

Und so startete ich den Motor und fuhr vom Parkplatz und fast in einen Traktor hinein, der just in diesem Moment mit Holzbänken und Tischen um die Ecke gebogen war. Die Frühlingsvorbereitungen zur Eröffnung der Terrasse schienen also in vollem Gang zu sein.

Auf dem Heimweg schmunzelte ich eine lange Zeit vor mich hin. Die Musik unterstrich meine Stimmung, und irgendwie war ich so richtig positiv aufgekratzt.

Was nehme ich mir von diesen Begegnungen im Odenwald mit?

Ich werde mich auf jeden Fall noch viel öfter alleine auf den Weg machen. Indes, alleine bleiben werde ich wohl nicht lange und nicht oft. Es gibt ja genug zu erzählen. Von fast jedem Menschen.

Das Leben ist schön und so facettenreich!

Und falls jemand diesen Ort auch einmal besuchen möchte, findet er ihn HIER

 

 

 

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